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Zur historischen Spinstube in Steinbach begrüßte Ortsvorsteher Georg Moser die Spinnfrauen unter Leitung von Liselotte Schell, die Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins Mudau, sowie die zahlreichen Zuschauer. Hans Slama ging auf die mühevolle Kleidungsanfertigung in früherer Zeit und die Entwicklung der Spinntechnik ein. Hier erläuterte er, dass die erste Spindel ein Asthaken war und die Handspindel bis ins 13. Jahrhundert gebräuchlich war. Diese wurde dann mehr und mehr vom Handspinnrad abgelöst, obwohl es anfänglich wegen seiner schlechteren Garnqualität und der doppelten Leistung verboten wurde.
Die Erfindung des Tretantriebes wird auf etwa 1530 geschätzt. Dieses brachte eine enorme Erleichterung. Die Spinnerin konnte sitzen und hatte beide Hände für den Faserzug frei. Die Tuchindustrie entwickelte sich immer schneller und war Schrittmacherin der technischen Revolution. Auch die Webstühle wurden verbessert und so finden wir um 1800 im Raum Mudau fast 50 Weber, das sind 20 % aller Handwerker. Die Weberei wurde sehr stark als Hausweberei betrieben. Auch bestand etwa 30 Jahre lang ein Leinwandmarkt in Mudau.
Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Tracht zu verschwinden aber nicht die Bedeutung der Spinntätigkeit für die ländliche Bevölkerung. Für diese war die Herstellung von Bekleidung, Handtüchern und Bettzeug lebenswichtig. So bekam die Bäuerin, neben einer standesgemäßen Aussteuer auch ein Spinnrad mit in die Ehe. Folgende Sprichworte zeigen die Bedeutung dieser Arbeiten: „Spinnen am Morgen hält fern Armut und Sorgen“, „Selbstgesponnen, selbstgemacht ist die beste Bauerntracht“, „es ist nichts so fein gesponnen, dass es nicht ans Licht der Sonne kommt“. Um die Tätigkeit des Spinnens in Gemeinschaft ausüben zu können traf man sich die Wintermonate in den Spinnstuben“ oder der „Vorsetze“. Hier wurde gegessen, getrunken, gearbeitet, gesungen, erzählt, gelacht und auch getanzt. Die Obrigkeit sah dadurch die Moral gefährdet und in den „Spinnstuben“ die „Brutstätte des Aberglaubens“. Doch alle Verbote halfen nichts und so hielten sie sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts.
In dem nun folgenden Abend wurden Spinnstubengeschichten, alte Spinnlieder, Gedichte (sog. unterhaltsame Deklamation oder Schnadahüpferl), Märchen und Sagen aus der alten Zeit vorgetragen. Die gemeinsam gesungenen Volkslieder mit Begleitung von Ralf Breunig am Schifferklavier kamen besonders gut an. An den Steinkreuzen an der Martinskapelle und im Gewann „Schinnhecke“ konnte die Entstehung der „Sühnekreuze“ und „Standeskreuze“ erklärt werden, ebenso die zugehörigen Sagen. Das gleiche gilt für die „“Schäferskreuze“ auf Rumpfener Gemarkung. Hier gibt es mehrere Versionen, eine davon betrifft die Steinbacher „Kerwe“. Auf dieser gerieten beim Tanz vier Schäfer wegen einem schönen Mädchen, das aber ein „Luder“ war, in Streit und brachten sich gegenseitig um. Tatsache ist, dass es an dieser Stelle nach den Märkten viele Streitereien und Händel gab, auch wegen der gemeinsamen Weide von Steinbach, Rumpfen und Unterneudorf. Auf Steinbach bezogen wurde aus dem Roman „Wigo“ von Daniela Krein, welche ehemals in Steinbach gewohnt hat, die Stelle vorgetragen als Ritter Wiprecht von Bödigheim vor 700 Jahren mit seinem Sohn Wigo in Steinbach Halt machte. Die Bödigheimer hatten in Steinbach ehemals das Ortsgericht und Ländereien inne. Darauf weist auch die Sage vom „“Rotbächle“ hin, was ehemals „Rüdenbächle“ hieß. Vor hunderten von Jahren soll hier ein ansehnlicher See gewesen sein in welchem drei Wasserjungfrauen lebten. Abends kamen sie in das Dorf und halfen mit ihren flinken Händen den Mädchen beim Spinnen, was sie besonders gut konnten. Auch liebten sie die Geselligkeit und unterstützten die Menschen wo sie nur konnten. So waren sie sehr beliebt. Um Mitternacht mussten sie jedoch zurück sein, worüber der Wassermann streng wachte. Eines Nachts machten sich einige Burschen den Spaß und stellten die Uhr zurück. Die Jungfrauen, die nichts Böses ahnten versäumten ihre Zeit. Am nächsten Abend kamen sie nicht mehr zur Spinnstube. Die Burschen, welche nachschauten, sahen, dass das Wasser vom Blut der Jungfrauen rot gefärbt war. Darüber waren alle sehr traurig und seitdem wird das Wasser „Rotbächle“ genannt. Eine weitere Überlieferung beschäftigte sich mit dem „Türkenhannes“, dem Anführer einer Räuberbande. Er wurde 1747 am Galgen in Umstadt hingerichtet. Nach seinen Angaben stammte er aus Steinbach bei Mudau und seine Eltern waren dort rechtschaffene Leute.
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