16.04.04
Römer live: Bericht zur Veranstaltung



Der Heimat- und Verkehrsverein Mudau hatte zu einer „Römer live“ Veranstaltung ins Sportheim an die historische Stätte neben dem Kastell in Oberscheidental geladen. Erfreut konnte der 1. Vorsitzende Hans Slama bei „römischem Wetter“ eine überaus große Schar an Besuchern aus nah und fern begrüßen. Darunter befreundete Heimatvereine entlang der Limeslinie, Ortschafts- und Gemeinderäte, ferner Rudolf Landauer einen Hobby-Luftbildarchäologen der sich insbesondere der Erforschung der Neckarlimeslinie verschrieben hat, den stellvertretenden Geschäftsführer der TGO Achim Dörr, Orstsvorsteher Klaus Schork und ganz besonders Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger. H. Slama ging auf die vielen noch vorhandenen Relikte der Römerzeit ein, wie Flur- und Ortsnamen (z. B. Schloßau), die Wappen in Scheidental und Schloßau, die römischen Monatsnamen und Sprichwörter welche sich bis heute erhalten haben, das Römische Recht, die Kirchensprache und Kleidung der Priester, Ruinen und Lehrpfade, aber auch Bräuche und Sitten welche sich mit unserem germanischen Erbe gemischt haben. In Scheidental hielt man das Kastellgelände ehemals für gespenstisch und so haben sich einige Sagen um das dortige „Burggewann“ erhalten. Zum Thema Weltkulturerbe konnte er berichten, dass man derzeit für den Unescoantrag nur den vorderen Limes wählt, jedoch die Neckar- Odenwaldlinie abkoppelt, obwohl gerade der Odenwaldlimesabschnitt zum interessantesten und zu den mit den am besten erhalten Denkmälern des ganzen obergemanischen Limes zählt. Insgesamt ist der 550 km lange Limes das größte Bodendenkmal in Deutschland und für die Gemeinde Mudau ein „Highlight“ welches noch stärker in den Vordergrund treten müsste.

Ortsvorsteher Klaus Schork zeigte sich ebenfalls über den guten Besuch und die Tatsache der Abhaltung der Veranstaltung in Scheidental sichtlich erfreut. Er wies auf das vorhandene Schutzgebiet und die damit in denkmalrechtlicher Hinsicht zusammenhängende Thematik hin. Ferner wünschte er sich insgesamt eine bessere Sensibilisierung im Umgang mit dem römischen Erbe.

In seinem mit Dias und Folien untermauerten Vortrag stellte Hans Slama den Odenwaldlimes insbesondere in der Gemeinde Mudau vor, die Erforschung desselben, sowie den im Süden anschließenden Neckarlimes. H. Slama streifte die Eroberung unseres Raumes durch die Römer, den Bau des Limes, dessen Sinn und Zweck in der Zeit um ca. 1oo n. Chr. sowie Vorverlegung um ca. 155 n. Chr.. Anhand der Ausgrabungsprotokolle konnten die Anlagen und Funde in Scheidental und Schloßau kurz aufgezeigt und gut rekonstruiert werden, ebenso die auf hohem Niveau stehende Badetechnik der Römer. Straßen und Gutshöfe, das Leben der Bevölkerung und Soldaten, der Götterglaube und dessen Ablösung durch das Christentum wurde ebenso aufgezeigt wie die Tatsache des um 8o m weiter östlichen Verlaufes des Limes in Scheidental, welcher heute noch aus der Luft gut zu sehen ist, ebenso wie der ehemalige Holzturm-Erdring im Gewann „Säubäumacker“.

Rudolf Landauer konnte in seinem mit aktuellen Luftbildern untermauerten Vortrag den Limesverlauf ab Neckarburken bis Köngen nachvollziehen, wobei er auf Grund der unterschiedlichen Verfärbung des Bewuchses bisher unbekannte römische Straßen, Gebäude, Kastellumrisse usw. aus der Luft ausmachen konnte. Aus dieser Betrachtung heraus ist der Limes bei Bad Wimpfen weiter östlich als bisher angenommen verlaufen. Die Zuschauer faszinierte die Tatsache, dass man heute noch aus der Luft alte, seit Jahrtausenden verschwundene Gebäude ausfindig machen kann. So konnten auch die sich klar in der Vegetation abzeichnenden Umrisse der Sternschanze bei Bad Wimpfen bestaunt werden. Diese stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges als im Jahre 1622 der kaiserliche General Tilly den Markgrafen von Baden-Durlach besiegte. Rudolf Landauer unterstützt mit seinen Erkenntnissen die Bemühungen der Gemeinden und Heimatvereine entlang der Odenwald-Neckar-Limeslinie um Aufnahme in die Unesco-Liste zum Weltkulturerbe. Nach seinen Worten besteht, da an der Neckarlinie teilweise ein ganz anderer Limesverlauf war, als bisher angenommen, noch enormer Forschungsbedarf und die Gemeinden am Neckar-Odenwaldlimes sollten mehr als bisher mit ihren schönen „Limespfunden wuchern“.

Nach der Einstimmung in das römische Soldaten- und Gladiatorenleben trat Herr Waltereit aus Neckarburken als römischer Legionärssoldat auf. Nunmehr überfiel der Stamm der germanischen Barbaren (Steinzeittrommler Buchen) eine Anzahl Römerfrauen (Damengymnastik Scheidental) und nahm sie gefangen. Die durch Kaiser Trajan (Hans Slama) zu Hilfe gerufenen Legionäre (Sportverein Laudenberg) befreiten diese unter großem Beifal lin einer nachgestellten Tanz-Kampfszene.

Im zweiten Teil, welcher insbesonders auf die weiblichen Besucher ausgerichtet war, wurden nach der Vorstellung der römischen Wohn- und Esskultur von der Fam. Waltereit zubereitete und gut mundende Römerbrötchen und Mulsum von schicken Römerinnen serviert.

Die Römer bewunderten seinerzeit den schönen Körperbau der Germanen. Neidvoll blickten sie auf diese und ihr blondes Haar, welches sich schon die Römerinnen blond färben ließen. Römer verehrten deshalb schon damals Germaninnen und die überlieferte und vorgetragene Liebeserklärung eines Römers jener Zeit an ein Barbarenmädchen zeigt kaum Unterschiede zu heute auf, verwendet sie doch Worte wie Herzblatt, Wonne, Liebe, Lust und auch Zeitvertreib. Selbstverständlich trugen die Römerinnen eleganten Schmuck und schminkten sich. Die Kleidung jener Zeit bestand aus großen Tuchteilen (bis 7 m lang) und konnte selbst nicht, oder nur sehr schwierig alleine angelegt werden. Man benötigte dazu die Hilfe einer anderen Person. Nach Vorstellung der verschiedensten röm. Kleidungsstücke in Natura konnte ein Einkleidungsvorgang nachvollzogen werden. Hierzu wählte das schon in der römischen Abstimmungstechnik kundige Publikum per Daumen nach oben, Bürgermeister Dr. Rippberger aus.

Nachdem sich Hans Slama bei allen Akteuren bedankt hatte erklärte Herr Waltereit die aus Neckarburken mitgebrachten Ausstellungsgegnnstände und zeigte sich hocherfreut über diese erste sehr gut gelungene gemeinsame Veranstaltung am Odenwaldlimes. Bürgermeister Dr. Rippberger war ebenso beeindruckt wie erfreut über das Miterlebte. Nachdem das archäologische Landesamt das Jahr 2005 zum Römerjahr ausgerufen hat sah er in der Wiederholung einer solchen Veranstaltung eine Möglichkeit des Beitrages der Gemeinde. Er berichtete von den Aktivitäten der drei Landräte zum Thema Odenwaldlimes sowie von seiner Übernahme der Aufgabe des Koordinators in dieser Angelegenheit.